Melatonin als Schlafmittel – unbedenklich oder nicht?

Die Chefin des Schlafs

Melatonin Schlafmittel: Weisse Bettdecke und Fenster im Hintergrund.

Spoiler

  • Melatonin als Schlafmittel ist in Nachbarländern neben Tablettenform auch als Gummibärchen, Schokoriegel oder Sprays erhältlich. Die harmlose Darreichungsform kann suggerieren, dass diese Mittel unbedenklich seien. Die Einnahme sollte aber immer mit einem Arzt abgesprochen werden.
  • Das Hormon wird hauptsächlich im Gehirn produziert. Auch Darm und Netzhaut produzieren eine kleine Menge.
  • Bei langanhaltenden Schlafproblemen ist eine Verhaltenstherapie erfolgversprechender.

Die westliche Welt schläft schlecht. Jeder Dritte, so die Vermutung von Schlafmedizinern, leidet an Schlafproblemen. Melatonin in Pillen- oder Tropfenform einzunehmen, kann vorübergehend helfen, erholsamer zu schlafen – es löst aber die Ursache des Wachliegens nicht. Zudem fehlt es noch an Studien zu den Langzeitwirkungen. Dr. Benedict hält Melatonin als Schlafmittel in der Regel für sicher, doch er rät: möglichst kurz und möglichst niedrig dosiert. Vor allem, so betont er, braucht es Beratung durch einen Arzt. «Die richtige Dosierung hängt von Alter, Gewicht und Vorerkrankungen ab. Bei Diabetikern oder Menschen mit Schlafapnoe kann Melatonin unerwünschte Effekte haben.»

Melatonin als Schlafmittel immer beliebter

Während das Hormon in der Schweiz rezeptpflichtig ist, wird die Auswahl an Präparaten in unseren Nachbarländern immer bunter. Neben Pillen, Tropfen und Sprays, die auf dem Nachttisch griffbereit nachts beim Wiedereinschlafen assistieren, gibt es das Hormon in Gummibärchen oder Schokoriegeln. «Solche Träger können suggerieren, dass die Mittel harmlos sind. Studien zeigen zudem, dass die Angaben auf den Verpackungen nicht immer stimmen», so Dr. Benedict. Er rät, auch bei der Produktwahl Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker zu halten.

Was ist Melatonin und wie wirkt es als Schlafmittel?

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus reguliert. Gebildet wird das Schlafhormon hauptsächlich in der Zirbeldrüse des Gehirns, doch auch die Netzhaut der Augen und der Darm produzieren geringe Mengen an Melatonin. Die Produktion des Hormons hängt unter anderem von der Lichtintensität ab. Dunkelheit regt die Ausschüttung an, Licht senkt hingegen die Produktion. Aus diesem Grund schlafen wir nachts (hoher Melatonin-Spiegel) und sind tagsüber wach (niedriger Melatonin-Spiegel).

Wenn die innere Uhr aus dem Takt gerät

Doch wieso produziert die Zirbeldrüse all der Wachlieger und Schlechtschläfer nicht ausreichend Melatonin? «Viel Licht am Abend, späte, unregelmässige Mahlzeiten, Stress und variierende Zubettgehzeiten bringen die innere Uhr aus dem Takt», erklärt der Schlafforscher. «Bei langanhaltenden Schlafproblemen kann eine Verhaltenstherapie helfen, die Ursachen zu identifizieren und zu bewältigen, anstatt nur die Symptome zu behandeln.»

Weitere Melatonin-Killer

  • Koffeinhaltige Getränke
  • Alkohol
  • Nikotin
  • Zunehmendes Alter
  • Gewisse Medikamente wie Schmerzmittel

Das hilft gegen Schlafstörungen

Baldrian und Hopfen

Ihr Extrakt zeigt in Studien eine positive Wirkung auf den Schlaf. Dabei kommt es auf eine ausreichende Dosis an. Diese mit dem Arzt oder Apotheker besprechen.

Schlafstörer

Wer Beta-Blocker oder Schmerzmittel einnimmt, kann von zusätzlichem Melatonin profitieren, denn die Medikamente hemmen die körpereigene Produktion.

APPS

Schlaf-Apps wie etwa Somnio helfen, die Ursachen für die Schlafstörung zu finden und zu besiegen. Es gibt sie sogar auf Rezept.

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