Befreite Atemwege dank diesen Inhalationsformen

Hilfe für gereizte Bronchien und verstopfte Nasen?

Inhalationsformen: Frau inhaliert über einer dampfenden Schüssel

Spoiler

  • Zu den Klassikern der Inhalationsformen gehört das Einatmen von Wasserdampf. Dieses Dampfbad kann zu Hause ganz einfach mit einem Topf voller heissem Wasser und einem Handtuch selbst hergestellt werden. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit dieser Inhalationsart bestätigen.
  • Inhalationsgeräte können mittels unterschiedlicher Techniken Arzneimittel so stark zerstäuben, dass die Tröpfchen bis in die unteren Atemwege gelangen. Davon profitieren beispielsweise Menschen mit Asthma, Bronchitis oder COPD.
  • Das Inhalieren von Salz soll die Atemwege befeuchten und chronischer Bronchitis vorbeugen.

Die Dampfinhalation für zu Hause

Sie gilt als Klassiker unter den Inhalationsformen und als Hausmittel schlechthin bei Schnupfen und Erkältung: die Inhalation mit Dampf. Das liegt sicherlich daran, dass sie so schnell und einfach geht. Wasser im Topf aufkochen, auf den Esstisch stellen, das Gesicht darüber halten und mit einem Handtuch über dem Kopf eine Art Mini-Dampfbad erzeugen. Dann nur noch tief ein- und ausatmen. Wer es effizienter mag, kann in der Apotheke ein Inhalationsgerät mit einem speziellen Mund-Nasen-Aufsatz kaufen. Dabei ist wichtig, den Aufsatz nach der Benutzung gründlich zu reinigen, damit Keime sich nicht vermehren können.

Durch das Inhalieren des Wasserdampfs soll sich übermässiger Schleim verflüssigen, sodass er besser abgehustet oder ausgeschnäuzt werden kann.

Häufig wird empfohlen, dem Wasser Kochsalz, Kräuter oder ätherische Öle hinzuzufügen, welche die gereizten Atemwege beruhigen sollen. Insbesondere Teebaumöl, Kamille und Thymian wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt.

Das sagt die Wissenschaft

Das Inhalieren mit Dampf mag zwar bei einigen Personen das Wohlbefinden steigern und allein dadurch die Symptome subjektiv lindern, bislang konnte dem Hausmittel unter den Inhalationsformen allerdings keine eindeutige medizinische Wirkung nachgewiesen werden. Eine Studie von 2016 untersuchte den Einsatz von Dampfinhalation bei der Behandlung chronischer Nebenhöhlenbeschwerden (Sinusitis). Mit der Ausnahme von Kopfschmerzen konnte das Inhalieren die Symptome einer Nasennebenhöhlenentzündung nicht lindern. Eine indische Metaanalyse aus dem Jahr 2017 bewertete die Wirkung von Inhalationsformen mit Dampf als tief. Die Tröpfchen aus dem Kochtopf sind viel zu gross, um überhaupt in die Lunge zu gelangen. Möglicherweise erreichen sie die Nasenschleimhaut, wird allerdings durch den Mund eingeatmet, bleiben sie einfach nutzlos im Rachenraum hängen.

Ärztinnen und Ärzte befürchten zudem, dass durch die Hitze die oberen Atemwege stärker durchblutet werden, was Schwellungen und Reizungen noch verstärken könnte.

Ebenso rät die WHO davon ab, bei der Bekämpfung von COVID-19-Viren auf die Dampfinhalation zu vertrauen, eine Methode, die während der Pandemie vor allem auf Social Media propagiert wurde.

Nicht zu unterschätzen ist die Gefahr von Verbrühungen. Laut einer Studie aus dem Vereinigtem Königreich hat sich die Zahl an Kindern, die sich durch Dampfinhalationen verbrannt haben, im Kinderspital Birmingham während der Pandemie verdreissigfacht. Die Studienautoren raten eindrücklich davon ab, Babys und Kleinkinder mit Dampf zu therapieren.

Schliesslich kann der Einsatz von ätherischen Ölen die Atemwege reizen und die Beschwerden noch verschlimmern. Bei Kleinkindern können einige Öle, zum Beispiel Kampfer oder Pfefferminz, sogar Atembeschwerden verursachen.

Inhalationsgeräte und Vernebler – die besseren Inhalationsformen

Empfehlenswertere Inhalationsformen sind Inhalationsgeräte und Vernebler, die Arzneimittel oder befeuchtende Kochsalzlösung in die unteren Atemwege leiten. Sie sind gut untersucht und kommen bei Menschen mit akuten oder chronischen Atemwegserkrankungen zum Einsatz. Mithilfe von Druck, Ultraschall oder Hochfrequenz-Schwingungen werden die Inhalationsmittel in winzig kleine Partikel zerstäubt, die sogar die Lungen erreichen. Diese Inhalationsformen eignen sich deshalb insbesondere für Menschen mit Asthma, chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder Mukoviszidose. Die Wahl des Inhalationsgerätes richtet sich nach der Art der Beschwerden und nach dem Ort, wo die Inhalationsmittel wirken sollen. Soll die Arznei die feinen Bronchienverästelungen erreichen, muss das Inhalationsgerät in der Lage sein, winzig kleine Partikel zu erzeugen.

Feucht- und Trockeninhalation

Es gibt zwei Arten von Inhalationssystemen: Die Feucht- und die Trockeninhalation. Bei der Feuchtinhalation wird das flüssige Medikament in ein Aerosolgerät gefüllt, welches die Inhaltsstoffe zerstäubt. Diese feinen Tröpfchen, die Aerosole, werden über ein Mundstück oder eine Maske eingeatmet. Damit eignen sich die Geräte auch für Kinder und geschwächte Personen, da sie keine besondere Atemtechnik verlangen. Zudem kann mithilfe von Aerosolgeräten Antibiotika vernebelt werden.

In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung der Krankenkasse die Inhalationstherapie, sofern eine ärztliche Verordnung vorliegt. Bei der Lungenliga Schweiz können Betroffene Inhalationsgeräte mieten oder kaufen.

Bei der Trockeninhalation wird die Arznei hingegen als Pulver oder als Luftgemisch eingenommen. Dabei handelt es sich in der Regel um verschreibungspflichtige Medikamente, die Asthma- und COPD-Betroffenen das Atmen erleichtern. Die bekannten Asthmasprays gehören zu dieser Inhalationsart. Die Inhalationsformen verlangen unterschiedliche Atemtechniken, die eingeübt werden müssen. Die Lungenliga führt regelmässig Schulungen für Betroffene und insbesondere Kinder durch.

Inhalationsformen auf Salzbasis

Zu den beliebten Inhalationsformen gehört das Einatmen von isotonischer Kochsalzlösung. Diese kannst du zwar selbst herstellen, Produkte aus der Apotheke sind jedoch garantiert steril. Auch hier ist die Inhalation mit reinem Wasserdampf wenig geeignet, besser sind Inhalationsgeräte wie Druck- oder Membranvernebler. Tief in die unteren Atemwege gewandert, befeuchten die Salzwasserpartikel die Schleimhaut, lindern Entzündungen und erleichtern das Abhusten von Sekret.

Das Inhalieren von Salz scheint vor allem bei Bronchitis-Patienten empfehlenswert zu sein, und zwar ebenso als akute Therapieunterstützung als auch zur Vorbeugung bei chronischer Bronchitis.

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