Netzhautablösung: Ursachen, Behandlung und Vorsorge

Erste Anzeichen einer Netzhautablösung sofort untersuchen

Wiese Punkte Linsenspiegelung

Spoiler

  • Symptome einer Netzhautablösung treten häufig unerwartet auf und sollten sehr ernst genommen werden.
  • Erscheinen Punkte, Blitze oder ein Flimmern vor den Augen, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.
  • Eine OP verläuft in 95 % der Fälle erfolgreich und verhindert Folgeschäden wie Erblindung.

Es geschah in den Ferien. Daniel Curiger, 59, sah plötzlich bewegliche kleine Punkte im Schwimmbecken. Curiger wusste, dass dies kein gutes Zeichen ist, er hatte bereits vor 28 Jahren eine Netzhautablösung. «Ich beschloss, nach Hause zu fahren und sofort zum Augenarzt zu gehen», erklärt Curiger, der als Kurzsichtiger mit sieben Dioptrien als Risikopatient gilt.

Der Augenarzt bestätigte die Netzhautablösung und schickte den Patienten in die Pallas Klinik Olten, wo er am gleichen Tag operiert wurde. Für die Therapie zuständig war Prof. Dr. med. Heinrich Gerding, Chefarzt für Augenheilkunde. Der Patient habe richtig gehandelt: «Mückenschwärme», wie sie Curiger gesehen hat, oder Trübungen des Sehens seien die Folge kleiner Blutungen in der Netzhaut und ein Alarmzeichen, das ernstgenommen werden muss.

Erste Anzeichen einer Netzhautablösung nicht missachten

Bei einer Netzhautablösung werden die abgehobenen Bereiche im Gesichtsfeld als Schatten oder unscharf wahrgenommen. Da dies zumeist in der Peripherie der Netzhaut beginnt, schenken viele Patienten solchen Phänomenen nicht die nötige Beachtung. Prof. Gerding dazu: «Viele Patienten kommen deshalb erst zur Untersuchung, wenn der Schatten, der Vorhang oder die Mauer das Zentrum des Auges erreicht haben.»

Eine Netzhautablösung entsteht, weil der Glaskörper im Laufe des Lebens an Volumen verliert. Aufgrund des Volumenverlustes kommt es zu einer Abhebung des Glaskörpers von der Netzhaut, die meist harmlos verläuft. Unregelmässig bestehen feste Anheftungsstellen des Glaskörpers zur Netzhaut. An diesen kann es bei der Glaskörperabhebung durch die Zugkraft zu einem Einriss der Netzhaut (einem Loch) kommen. Wenn der Glaskörper weiter am Lochrand Zug ausübt, löst sich die Netzhaut und es tritt Flüssigkeit in den Raum hinter der Netzhaut.

Behandlung: Erfolgsraten von 95 Prozent

Eine Netzhautablösung bedroht das Augenlicht und kann zur Erblindung des betroffenen Auges führen. Wenn die Diagnose möglichst frühzeitig gestellt und eine Behandlung eingeleitet wird, bestehen aber beste Aussichten: «Erfahrene Spezialisten erreichen Erfolgsraten von etwa 95 Prozent – weitgehend unabhängig von der Ausgangssituation», sagt Prof. Gerding. Die Erfolgsrate hängt davon ab, ob die Netzhautmitte – die Stelle des schärfsten Sehens – von der Ablösung mitbetroffen ist.

«Falls die Netzhaut länger als etwa eine Woche im Zentrum abgelöst ist, wird auch eine erfolgreiche Operation die volle Sehschärfe nicht wiederherstellen können», erklärt Prof. Gerding. Am häufigsten treten Netzhautablösungen im sechsten und siebten Lebensjahrzehnt auf. Die Streuung ist aber breit, so dass man kein «sicheres Lebensalter» benennen kann. Zur Risikogruppe gehören Kurzsichtige sowie Patienten, bei denen der Graue Star operiert wurde. «Der weitaus überwiegende Teil aller Netzhautablösungen geht aber auf Defekte zurück, die sich vor dem Ereignis nicht erkennen lassen», sagt Prof. Gerding.

Guter Sonnenschutz ist wichtig

Daher gibt es keine effektive Prophylaxe. «Jeder Mensch sollte spätestens mit 40 zur Augenuntersuchung», sagt der Chefarzt und empfiehlt guten Sonnenschutz, insbesondere in der Höhe, am Strand und im Schnee. Dies verhindere eine frühe Operation des Grauen Stars.

Verschiedene Therapien bei Netzhautablösung

Wenn ein Netzhautdefekt vorliegt und die Netzhaut noch nicht wesentlich abgehoben ist, kann die Netzhautablösung oft durch eine einfache Laserbehandlung verhindert werden. «Leider kommen viele Patienten erst zur Untersuchung, wenn eine ausgeprägte Abhebung der Netzhaut besteht», erklärt Prof. Gerding. Bei einzelnen oder wenigen Löchern und einer frischen, wenig ausgeprägten Netzhautablösung werden kleine Schaumstoffplomben aufgenäht. Am häufigsten kommt die «Vitrektomie» zur Anwendung. Dabei entfernt der Chirurg den Glaskörper des Auges unter dem Mikroskop und ersetzt das Augeninnere durch Gas oder Silikon. Gas verschwindet nach der Operation langsam und wird durch eigene Augeninnenflüssigkeit ersetzt. Silikone werden in einem zweiten Eingriff entfernt, bieten aber den Vorteil, dass man schwierige Situationen damit besser meistern kann.

Die Plombenchirurgie und die Vitrektomie werden meistens in Vollnarkose durchgeführt. Wie bei Daniel Curiger. Er hat die Operation gut überstanden und nach zwei Wochen schon wieder als Ingenieur gearbeitet. «Nach 14 Tagen ist die anfängliche Trübung verschwunden, die frühere Sehschärfe war nach einem Monat wieder da», erzählt der Patient. «Ich finde es sensationell, was mit der heutigen Augenchirurgie alles möglich ist.»

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