Wenn Kinder die Schrift an der Tafel oder Projektionen an der Wand nur noch verschwommen sehen, während das Sehen in die Nähe unproblematisch ist, steckt oft eine Kurzsichtigkeit dahinter. Von der sogenannten «Schulmyopie» sind vor allem Kinder betroffen, die noch nicht in der Pubertät sind.
Kurzsichtigkeit bei Kindern ist ja nicht allein genetisch bedingt. Welche «Lifestyle»-Faktoren spielen eine Rolle?
Es besteht ein ausgeprägter Zusammenhang zwischen Myopiehäufigkeit und «Verstädterung und Ausbildung». Eine Vielzahl von Studien hat den schützenden Effekt von Tageslicht belegen können. Zwei bis drei Stunden täglicher Aufenthalt im Freien werden heute empfohlen. Die Myopie hängt auch von dem Bildungsgrad und Ausmass an Naharbeit ab. Hier scheint nicht nur die Dauer der Naharbeit, sondern insbesondere auch der Arbeitsabstand eine wichtige Rolle zu spielen. Den Betroffenen beziehungsweise ihren Eltern sei daher ein massvoller Umgang mit den neuen Medien ans Herz gelegt. Vor allem aber gilt es, eine zu geringe Entfernung zwischen Augen und Display und so weiter zu vermeiden.
Welche Therapieoptionen gibt es heute?
Neben der Berücksichtigung der oben genannten Lebensumstände wird aktuell vor allem die lokale Anwendung von niedrig konzentrierten Atropin-Augentropfen (0.01%) bei gesicherter Verschlechterung der Kurzsichtigkeit bei Kindern empfohlen. Damit kann das Fortschreiten der Myopie verlangsamt werden. Alternativ können auch spezielle bi- und multifokale Brillen und Kontaktlinsen angepasst werden, deren Wirksamkeit in Studien aber hinter der von Atropin zurückbleibt.
Was kann eine Myopie bei Kindern und Jugendlichen für Folgen im Erwachsenenalter haben?
Insbesondere Menschen mit einer hohen Myopie – fünf bis sechs Dioptrien oder höher – haben ein höheres Risiko von Folgeerkrankungen an den Augen. Zu diesen gehören Netzhauterkrankungen wie die Makuladegeneration und die Netzhautablösung, aber auch der Grüne und der Graue Star als eine häufige Ursache von Blindheit und Sehbehinderung in Westeuropa.