Kranke Nieren in der Schwangerschaft

Über beeinträchtigte Nieren und Nachwuchs

Spoiler

  • Während einer Schwangerschaft sind unsere Nieren gefordert und müssen ihre Filtrationsleistung um bis zu 50 Prozent steigern.
  • Bei beeinträchtigter Nierenfunktion wird in Zusammenhang mit einer Schwangerschaft von einer Risikoschwangerschaft gesprochen, da ein erhöhtes Risiko für Komplikationen für Mutter und Kind besteht.
  • Eine Empfängnis während der Dialysebehandlung ist selten aufgrund verringerter Fruchtbarkeit. Hingegen kehrt die Fertilität bei einer Nierentransplantation meist wieder zurück. In diesem Fall ist meist eine Anpassung der immunsuppressiven Therapie nötig, um schädliche Einflüsse auf den Fötus zu verhindern.

Wie beeinflussen kranke Nieren die Schwangerschaft?

Bei Patientinnen mit einer Nierenkrankheit ist eine Schwangerschaft möglich, jedoch besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Den Hinweis, ob eine Nierenkrankheit bereits vor der Schwangerschaft vorlag, geben der Serumkreatinin-Wert sowie die Eiweissausscheidung im Urin. Aber wie hängen Nieren und Serumkreatinin zusammen? Die Nieren filtern das Blut und scheiden dann das Serumkreatinin über den Urin aus. Das Filtern von Giftstoffen und Abfallprodukten des Stoffwechsels ist eine der Hauptaufgaben der Nieren. Hast du einen niedrigen Serumkreatinin-Gehalt im Blut, dann funktionieren deine Nieren normal. Ist er hingegen erhöht, steckt meist eine Nierenkrankheit dahinter. Eine Schwangerschaft stellt eine besondere Herausforderung dar, denn während der Schwangerschaft müssen die Nieren rund 50 Prozent mehr Blut filtern. Eine bereits vorgeschädigte Niere ist nicht in der Lage diese Zusatzleistung zu erbringen, was sich in einem Anstieg des Kreatininwertes und einem Anstieg des Blutdruckes äussert.

Im Idealfall wird eine Schwangerschaft im Voraus gemeinsam mit den behandelnden Fachpersonen geplant. «Dadurch können vorbeugende Massnahmen ergriffen werden, um Komplikationen zu vermeiden, frühzeitig zu erkennen und rasch darauf zu reagieren», lässt uns Dr. von Moos wissen. «Eine Schwangerschaft, welche bei Patientinnen mit Nierenkrankheit besteht, wird daher meist als Risikoschwangerschaft eingestuft. Das bedeutet konkret, dass die Patientin regelmässig und häufiger zu Kontrolluntersuchungen bei ihrem zuständigen Arzt oder ihrer Ärztin erscheinen sollte, als es ohne Vorerkrankung empfohlen wird.»

Doch von welchen Komplikationen ist denn hier eigentlich die Rede? «Für die Mutter besteht das Risiko einer sogenannten Schwangerschaftsvergiftung. In der Medizin nennen wir das auch Präeklampsie», erklärt Dr. von Moos. Eine Schwangerschaftsvergiftung zeigt sich in erhöhtem Blutdruck, Wassereinlagerungen (Ödemen) und einer erhöhten Eiweissausscheidung im Urin. Dies ist sowohl für die Mutter als auch für das Kind sehr gefährlich, da sie zu Organschäden bei der Mutter und Minderversorgung des ungeborenen Kindes führen kann. Damit die Wahrscheinlichkeit einer solchen Schwangerschaftsvergiftung möglichst gering gehalten wird, werden in der Frühschwangerschaft Medikamente verschrieben, um vorzubeugen. Kranke Nieren während einer Schwangerschaft sind aber auch für das kleine Leben im Mutterbauch nicht risikofrei. «Mögliche Risiken für den Fötus sind Wachstumsverzögerungen oder eine Frühgeburt», erklärt das Mitglied der Schweizerischen Nierenstiftung. Besonders hoch ist das Risiko für Komplikationen bei mittelschwerer bis schwerer Nierenkrankheit mit chronischem Bluthochdruck.

Kaputtere Nieren der Schwangerschaft wegen?

Wie gesagt, ist eine Schwangerschaft für die Nieren eine zusätzliche Belastung. Die Nieren müssen also härter arbeiten, ganz nach dem Motto: Blut filtern, was das Zeug hält! Bei einer gesunden Frau ist diese Anpassung unproblematisch, bei einer Nierenkranken kann dies jedoch zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion führen. Die Beeinträchtigung der Nieren während der Schwangerschaft ist meist kurzfristig. Dr. von Moos ergänzt: «Wenn die Nierenfunktion bereits schwer eingeschränkt ist, dann bleibt das Risiko einer bleibenden Nierenfunktionsverschlechterung auch nach der Geburt bestehen.» 

Schwangerschaft mit Dialysepflicht: Geht das? 

Wie du bereits weisst, sind die Nieren ein Filterorgan, welches dein Blut reinigt. Ist deine Nierenkrankheit weit fortgeschritten, können deine Nieren versagen und dein Blut nicht mehr reinigen. Häufig ist dann eine sogenannte Dialyse nötig, um diese Aufgabe zu übernehmen. 

«Eine Schwangerschaft bei Dialysepflicht ist selten, aufgrund der eingeschränkten Fruchtbarkeit. Häufig wird die Schwangerschaft auch erst spät erkannt», erklärt die Expertin. Leider ist das Risiko für Komplikationen bei einer Schwangerschaft mit Dialysepflicht noch höher als bei einer weniger weit fortgeschrittenen Nierenkrankheit. Dr. von Moos betont: «Auch wenn es häufig zu Fehlgeburten kommt, gibt es dennoch Frauen, die – dank intensiver, ja sogar täglicher Dialysebehandlung – eine Schwangerschaft bis zum Ende führen können.» 

«Ich hatte eine Nierentransplantation. Kann ich schwanger werden?»

Dr. von Moos gibt sich zuversichtlich, denn nach einer Nierentransplantation kehrt die Fruchtbarkeit häufig zurück. «Frauen mit gut funktionierender transplantierter Niere und normalem Blutdruck haben gute Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft. Wir empfehlen jedoch nach einer Transplantation mindestens ein Jahr mit der Familienplanung zu warten.» Trotzdem gilt diesen Schwangerschaften besondere Aufmerksamkeit, denn auch wenn die Transplantation erfolgreich war, ist weiter von einer Risikoschwangerschaft die Rede, da immer noch ein erhöhtes Risiko für Komplikationen besteht. 

Nach einer Organtransplantation – hier Nierentransplantation – müssen Patienten und Patientinnen immunsuppressive Medikamente einnehmen. Damit sind Medikamente gemeint, welche das Immunsystem unterdrücken, damit der Körper das transplantierte Organ nicht abstösst. Die Expertin sagt dazu: «Es ist eine Anpassung der Immunsuppressiva-Therapie nötig, da gewisse immunsuppressive Medikamente für den Fötus schädlich sind und zu Fehlbildungen führen können.» Im Übrigen gilt für männliche Patienten ebenfalls, dass sie sich vor einer Zeugung mit ihrem Arzt beraten sollen, da gewisse Immunsuppressiva die Spermienqualität beeinträchtigen können, was zu Fehlbildungen beim Fötus führen kann. Eine Schwangerschaft hat langfristig keine negativen Auswirkungen auf die transplantierte Niere, solange die Nierenfunktion weiterhin intakt bleibt und kein Bluthochdruck besteht. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass beeinträchtige Nieren in einer Schwangerschaft mit teilweise hohen Risiken verbunden ist. Es ist in jedem Fall ratsam, die Schwangerschaft gemeinsam mit einer Fachperson zu besprechen und engmaschige Kontrolltermine einzuhalten. Für dich, deine Nieren und dein Kind. 

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