Inkontinenz durch Schwangerschaft: Was wirklich hilft

Durch die Schwangerschaft wird das Risiko für eine Harninkontinenz schon in frühen Jahren deutlich erhöht: Etwa jede dritte Frau kann im Anschluss an die Geburt den Harn nicht immer kontrollieren. Das Fatale: Die meisten Betroffenen – etwa 70 Prozent – sprechen dieses Problem nicht an, zum Teil aus Scham, zum Teil weil sie es für eine vorrübergehende Begleiterscheinung der Geburt halten. Ein Trugschluss: Mehr als drei Viertel der Frauen sind auch zwölf Jahre nach der Entbindung inkontinent, wie eine Studie der Universität Birmingham zeigt.

Wenn es darum geht, die Inkontinenz in den Griff zu bekommen, wird oft ein Training des Beckenbodens angeraten. Nun zeigt eine Studie der neuseeländischen Universität von Otago, dass Beckenbodenübungen allein wohl kaum eine Wirkung erzielen. Das Team um Prof. Dr. Stephanie Woodley untersuchte 46 Studien aus 21 Ländern zum Thema. Das Ergebnis: Gegen Harninkontinenz nach der Schwangerschaft hilft vor allem ein frühzeitiges Behandeln der Risikofaktoren.

Zu diesen gehört Übergewicht, das nicht nur die Blase belastet. Eine übermässige Gewichtszunahme begünstigt Schwangerschaftsdiabetes und ein grösseres Gewicht des Kindes. Unter diesen Bedingungen tritt die Harninkontinenz oft schon während der Schwangerschaft auf. Ein grösserer Kopfumfang des Babys kann ausserdem die Austreibungsphase verlängern – ein weiterer Risikofaktor.

Auch eine vaginale Geburt (anstelle eines Kaiserschnitts), ein höheres Alter der werdenden Mutter sowie eine Austreibungsphase von über einer Stunde machen eine Harninkontinenz wahrscheinlicher. Diese Risikofaktoren lassen sich allerdings nicht beeinflussen.

Die von Prof. Woodley berücksichtigten Studien kommen bei der Behandlung von Harninkontinenz zu einem vielfältigen Ergebnis. So können nach der Geburt eingesetzte Pessare den Beckenboden entlasten. Auch eine vaginale Lasertherapie kann Abhilfe schaffen. Mit dem Training des Beckenbodens sollte nicht zu früh begonnen werden, um die durch die Geburt strapazierte Muskulatur nicht übermässig zu belasten. Damit die Übungen auch richtig ausgeführt werden, empfiehlt es sich, einen hierzu geschulten Physiotherapeuten zu konsultieren.

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